Der aktuelle Normentwurf (DIN EN ISO 9001:2025) zeigt, wohin die Reise geht. Er verdeutlicht, dass die kommende Revision vor allem auf Klarheit, Praxisnähe und eine moderne Ausrichtung abzielt. Zu den zentralen geplanten Neuerungen gehören:
1. Stärkere Rolle von Führung & Qualitätskultur
Im Kapitel „Führung“ wird klarer gefordert, dass das Top-Management eine gelebte Qualitätskultur sowie ethisches Verhalten aktiv fördern muss. Gleichzeitig wird im Kapitel „Bewusstsein“ betont, dass die Organisation sicherstellen muss, dass alle unter ihrer Aufsicht tätigen Personen die Qualitätskultur verstehen und leben. Qualitätsmanagement wird damit deutlich stärker als Führungs-, Organisations- und strategische Aufgabe verankert und eng mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens verknüpft.
2. Harmonized Structure (HS)
Die ISO 9001:2026 folgt künftig der sogenannten Harmonized Structure (HS), der harmonisierten Struktur, die erstmals mit der ISO/IEC 27001 eingeführt wurde. Dadurch wird ein einheitlicher Aufbau über verschiedene Managementnormen hinweg sichergestellt. Für Unternehmen bedeutet das eine deutlich einfachere Integration mit Normen wie ISO 14001, ISO 45001 oder ISO 42001 sowie effizientere integrierte Managementsysteme und Kombi-Zertifizierungen.
3. Klarer getrenntes Risiko‒ und Chancenmanagement
Der Standard trennt künftig Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen klar voneinander. Während Risiken nun eigenständig in Kapitel 6.1.2 behandelt werden, werden Chancen erstmals separat in Kapitel 6.1.3 beschrieben. Hintergrund ist, dass sich Unternehmen bislang häufig stark auf Risiken konzentriert haben, während Chancen unterrepräsentiert blieben. Durch die Trennung sollen Chancen künftig systematischer erkannt, bewertet und genutzt werden.
4. Klimawandel & Nachhaltigkeit im Fokus
Bereits im Frühjahr 2024 wurde festgelegt, dass Unternehmen den Klimawandel in ihren Managementsystemen berücksichtigen müssen. Diese Anforderungen werden in der ISO 9001:2026 nun explizit in den Normtext übernommen. Unternehmen sollen k ünftig prüfen:
• wie der Klimawandel ihre Tätigkeiten beeinflusst
und
• welche Erwartungen Stakeholder in Bezug auf Nachhaltigkeit stellen
.
ESG-Themen (Umwelt, Soziales, Führung) werden damit deutlich stärker Teil des Qualitätsmanagementsystems (QMS).
5. Mehr Klarheit durch Begriffe und Anhang A
Zur besseren Verständlichkeit werden bestimmte Begriffe künftig direkt in der Norm definiert. Der informative Anhang A wurde grundlegend überarbeitet und unterstützt Unternehmen bei der Interpretation und praxisnahen Umsetzung der Anforderungen. Der bisherige Anhang B wurde ersatzlos gestrichen.
Die Kernanforderungen der ISO 9001 bleiben dabei stabil. Für Unternehmen, die bereits über ein gut implementiertes und gelebtes Qualitätsmanagementsystem verfügen, bedeutet die Revision daher kein grundlegender Umbau, sondern vor allem ein gezieltes Optimierung bestehender Strukturen und Prozesse. Im Fokus stehen die präzisere Ausrichtung, eine klarere Verantwortungsverteilung sowie die bessere Integration aktueller Themen wie Führung, Chancenmanagement und Nachhaltigkeit in das bestehende QMS. Dadurch lässt sich die Norm ohne übermäßigen Zusatzaufwand an die neuen Anforderungen anpassen.